Obwohl Bill, Tom, Gustav und Georg schon gar nicht mehr aus der deutschen Medienlandschaft wegzudenken sind, haben Tokio Hotel mit "Zimmer 483" tatsächlich erst ihr zweites Album abgeliefert. Zwölf Songs lang füllt Bill dieses geheimnisvolle Zimmer mit Themen wie Liebe, Drogen, Trotz und Selbstmord. Zwar singt er inzwischen in post-Stimmbruch-Tonlagen, allerdings so schön nölig, wie man es von ihm gewohnt ist.
Die vorab ausgekoppelte Single "Übers Ende der Welt" knüpft nahtlos an vergangene Chartsstürmer wie "Durch den Monsun" oder "Schrei" an. Die melodische Rock-Pop-Mixtur öffnet die Tür zum Zimmer 483, in dem, wie man in "Reden" erfahren wird, Bill etwas mehr als nur geredet hat.
Es folgt die herzschmerzende Ballade "Totgeliebt", in der die Jungs einer vergangenen Liebe nachtrauern. "Spring nicht" ist der Versuch, einem Lebensmüden wieder Vertrauen und Zuversicht für die Zukunft zu geben und ihn oder sie von diesem letzten Entschluss abzubringen. Schade, dass Bills leise gehauchter Gesang nicht ganz überzeugend klingt.
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| Die Band bei der Präsentation des neuen Albums. |
| (Foto: Public Address) |
Mit "Wo sind eure Hände" eröffnet das Album eine rockigere Ebene. Harte Gitarren und größten Teils entschiedener Rock machen Lust auf mehr Tempo, welches spätestens mit "Ich brech aus" noch einmal gesteigert wird. Leider hängen besonders die härteren Nummern etwas zwischen den Stühlen und können sich nicht endgültig für Rock oder Pop entscheiden, so dass nachdrückliche Gitarren über zu braven Gesang stolpern.
Textlich treffen die Jungs den Nerv, musikalisch könnten sie noch etwas mehr Mut beweisen. Einen echten Fan wird das jedoch nicht stören. "Zimmer 483" ist ein gemütlicher Raum, der sich allerdings noch etwas aufpäppeln ließe.